10.12. ICC zum Abreißen?

Heute ist es eine Woche her, dass die Deutschlandhalle gesprengt wurde. Das ICC wird zum Glück verschont, bald saniert und bleibt uns erhalten. Auch bei diesem Kalender würde ich  – ganz neutral – für Umblättern statt abreißen plädieren. Ursulina Schüler-Witte, die das Gebäude zusammen mit ihrem in diesem Jahr verstorbenen Mann gebaut hat, schrieb uns  in einen Brief.
“Gab es seinerzeit hunderte verschiedener Postkartenmotive, natürlich Kalender aller Art und eröffnete der SFB jeden Abend seine “Abendschau” mit einer großartigen live-Darstellung des Kommunikationsinstrumentes ICC, findet sich heute in ganz Berlin nicht mehr eine Postkarte des vielfach ausgezeichneten, Internationalen Congress Centrums… Umso überraschter war ich von Ihrem großartigen Kalender, der nicht nur mit der derzeitigen Eiszeit in Sachen ICC Berlin bricht, sondern in der Reihe der unzähligen früheren Veröffentlichungen dieser Art einzigartig in seiner künstlerischen Qualität”
Wow…  Nun – ich bin abgeschweift – eigentlich wollte ich sagen, dass es den Kalender heute im s.wert shop für 20% Rabatt gibt. Also quasi 2 Monate geschenkt.

ICC 2012

Raumschiff ICC

Vor kurzem waren wir wegen neuer Projekte im ICC. Das Gebäude ist einfach immer wieder beeindruckend. Die Planungsgeschichte des ICC beginnt in den 60er Jahren – der Zeit des „Kalten Krieges“ – die USA und die Sowjetunion lieferten sich einen Wettlauf im All und West-Berlin war durch den Mauerbau zur Insel geworden. Mit dem neuen, futuristischen Messegebäude  sollte ein Signal gegen das Vergessen der Frontstadt gesetzt werden und Westberlin bekam eines der größten, modernsten und erfolgreichsten Kongresshäuser der Welt.

Das ICC vom Funkturm aus gesehen

Der damalige Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe freute sich 1979, als das Gebäude nach nur vier Jahren Bauzeit fertig gestellt  wurde und  sagte, dass Berlin mit dem ICC einen mutigen Schritt in die Zukunft getan habe. Das 320 Meter lange Gebäude ist die gebaute Vision vom Glauben an den technischem Fortschritt und marktwirtschaftlichem Optimismus der 60er und 70er Jahre.

Technisch war das ICC den Standards seiner Zeit weit voraus. Aus Schallschutz-Gründen entstand das Gebäude als Haus-in-Haus-Konstruktion. Es gibt Säle mit Kapazitäten von 20 bis 5.000 Personen. Saal 1 und 2 sind durch eine beidseitig bespielbare Bühne verbunden, die dazwischen liegenden, dreieinhalb Meter breiten Schallschutzwände können in die Dachkonstruktion gezogen werden, so dass ein einziger großer Raum für  9.100 Besucher entsteht. Die Nachhallzeit in Saal 1 entspricht dem Raumklang gotischer Kathedralen und die Ränge lassen sich hydraulisch unter die Decke bewegen.

Ein Blick in Saal1

Für das ICC wurden spezielle Stühle entwickelt, die Platz boten für Schreibmaschinen und Mikrophone – selbst Aschenbecher waren integriert. Die Kosten lagen bei 20.000 DM pro Stuhl. Die gesamten Baukosten von fast einer Milliarde DM waren so gigantisch wie das Gebäude selbst.

Ein Infoterminal - damals technisch ganz weit vorn - heute schwer und überflüssig

Auch die Damentoiletten sind extarvagant ausgesattet