Liebe und Hass: Postmoderne Architektur in Berlin

Es passiert was in der City West – die Bautätigkeiten haben in den letzten Jahren sichtbar zugenommen, die Wolkenkratzer spriessen in die Höhe – da muss auch mal der Abrissbagger ran. An der Kantstrasse, anstelle des denkmalgeschützten Schimmelpfeng-Hauses steht nun das 118 Meter hohe Zoofenster. Im Sommer sollen die Abrissarbeiten am halbrunden Volksbank-Gebäude an der Budapester Strasse beginnen. Abriss und Neubau – ein ewiger Kreislauf in der „Stadt die immer wird und niemals ist“. Zeit für ein bisschen postmoderne 80er Jahre Westberlin Nostalgie.

Berlin City West Poster Rero

Die neue City West mit Elefantentor und Hochhäusern

Auf dem Poster: Zoologischer Garten ist im Vordergrund das 1984 wiedererrichtete Elefantentor – eines der Wahrzeichen des Zoologischen Gartens zu sehen. Im Hintergrund der Architekturzoo der City West mit Gebäuden aus unterschiedlichen Jahrzehnten. Die Turm­ruine der im Zweiten Weltkrieg zerstörten neuromanischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, der 1950er Jahre Kirchenbau von Egon Eiermann, die jüngst entstandenen Hochhäuser Zoofenster und Upper West erzählen von der bewegten Geschichte rund um den Breitscheidplatz.

Auch beim mittlerweile in die Jahre gekommenen Mathematik-Gebäude der TU mit seiner rot-blauen Glasfassade stellt sich die Frage Abriss oder Renovierung? Das verspielte Gebäude an der Strasse des 17 Juni wurde 1983 von den Architekten Barna von Sartory und Georg Kohlmaier entworfen und erzählt von Technikbegeisterung, Liebe zum Detail und einer beginnenden Ökomoderne.

Architekten Georg Kohlmaier und Barna von Sartory

Mathematikgebäude der TU Berlin, Strasse des 17. Juni

Architekten Georg Kohlmaier, Barna von Sartory

Mathematikgebäude der TU Berlin, Strasse des 17. Juni

Architektenschal kariert rot-blau-grau

Baumwollschal für Architekturfans und Mathematikliebhaber

Ein Ziel der Internationalen Bauausstellung ’87 – die unter dem Motto „Innenstadt als Wohnort“ stand – war, die Nachkriegsbrachen in Berlin-Kreuzberg zu schliessen. Die architektonischen Utopien der Moderne hatten ihr unmenschliches Gesicht gezeigt und an Glaubwürdigkeit verloren. Die Zeit für eine Rückbesinnung auf geschichtliche Vorbilder, eklektizistische Bauten und verspielte Fassaden war gekommen. Architektur sollte Geschichten erzählen, bunt war wieder schick und so manches Haus bekam ein Gesicht.

Das Gesicht des Kreuzberg-Turms (1988 von John Hejduk) mit seinen grünen, metallischen Augenbrauenmarkisen war vor einigen Jahren durch Sanierung gefährdet. Medienwirksame Petitionen von Architekten aus dem In- und Ausland, darunter prominente Vertreter wie Peter Eisenman, Daniel Libeskind, Jan Kleihues und Matthias Sauerbruch haben bewirkt, dass der Kreuzbergtower seine zeittypische Gestalt behalten hat.

IBA 87, Kreuzberg Tower

Haus mit Gesicht- Kreuzbergtower von John Hejduk

 

Oliver Elser, Kurator am Deutschen Architekturmuseum Frankfurt und Gründer der Postmodernism Appreciation Society bezeichnet die Postmoderne als „derzeit meistgehasste Epoche der Baugeschichte“. Hass, also leidenschaftliche Abneigung wird ja auch als Gegenteil von Liebe bezeichnet. Und Leidenschaft – Leidenschaft für Berlins Architektur, gerne auch mal für die gehassten Gebäude ist das Thema von s.wert und mit viel Liebe haben wir die postmoderne Architektur Berlins auf Kissen und Textilien gebracht.

WZB Berlin, Wissenschaftszentrum Berlin Gebäude

Wissenschaftszentrum Berlin, WZB, James Stirling, Michael Wilford & Associates

Gleich neben dem Shell-Haus am Landwehrkanal steht ein postmoderner Architektentraum in rosa und hellblau – das 1979–1988 vom britischen Architekten James Stirling aka „Big Jim“ errichtete WZB (Wissenschaftszetrum Berlin). Der Gebäudekomplex sorgte mit „Stoa“, „Theater“, „Campanile“ und seiner bunt gestreiften Fassade schon von Beginn an für grosse Emotionen. Der Erbauer sagte dazu: „ Wir haben dem Berliner Architekturzoo ein buntes Tier hinzugefügt, vielleicht ein Zebra“ (Falk Jaeger, Zurück zu den Stilen, Seite 50)

Berlinkissen Postmoderne Architektur

Postmoderne Architektur auf Kissen

Parkhaus Bayer-Schering

Müllerstrasse 7, Berlin-Wedding

Berlin Tuch gestreift bunt

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Bye bye Kranzler – Hello Westberlin

Zum Jahreswechsel hat das traditionsreiche West-Berliner Kaffeehaus Kranzler geschlossen. Ich gebe zu, dass mein Interesse an der City West in den letzten Jahren nicht besonders gross war.

Irgendwo zwischen Kinosterben, billigen Ramschläden und langweiligen Modeketten sind die Gründe dafür zu finden. Die Gebäude der Nachkriegsmoderne in der Gegend um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die für ein modernes und weltoffenes Berlin standen, wurden nach der Wende nach und nach mit unpassenden Inhalten gefüllt.

Hochhaus am Zoo Kissen 60 x 60 cm

Hochhaus am Zoo
Kissen 60 x 60 cm

Das ändert sich nun. Die Ikonen der West-Berliner Nachkriegsmoderne werden aufwändig renoviert, vom Ramsch befreit und mit neuen Nutzungen belebt.

Bikinihaus Kissen 60 x 60 cm

Bikinihaus
Kissen 60 x 60 cm

Den Anfang machte 2013 das Kino Zoopalast, es folgte die Fotogalerie C/O, die 2014 in das im Rahmen der IBA 1956/57 nach Plänen von Bruno Grimmek entstandene Amerika Haus zog. Das „Bikinhaus“ (1957, Architekten: Paul Schwebes und Hans Schoszberger), das die letzten 20 Jahre ein eher trauriges Dasein fristete, wurde umgebaut und lockt nun als „Concept Mall“ mit fantastischen Ausblicken auf den Zoologischen Garten und Hotelbar, bei der man aus dem 10. Stock den Blick über Berlin schweifen lassen kann.

Mönchwohnheim Kissen 60 x 60 cm

Mönchwohnheim
Kissen 60 x 60 cm

Grosse-Zoo2

Kissen Bilka, Bikinhaus und Zoo Hochhaus

West-4

 

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Wandkalender 2016 BERLIN U2016

Der s.wert Wandkalender für 2016 zeigt 13 Architekturgrafiken von Berliner U-Bahneingängen im städtebaulichen Umfeld. Und ist ab sofort in unserem Onlineshop zu haben.

Seit 2009 entwerfen wir Kalender mit Architekturillustrationen und mittlerweile sind die Kalender zu begehrten Sammlerstücken geworden. Der Kalender für 2016 ist der Erste, den wir zweifarbig gestaltet haben. Die limitierte Edition ist schwarz und türkis auf hochwertigem Recyclingpapier gedruckt.

U Bahnhof Zoologischer GartenMehrere hunderttausend Menschen bewegen sich täglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Berlin. Die meisten fahren dabei U-Bahn. Die Berliner Verkehrbetriebe (kurz: BVG) unterhält das größte U-Bahn-Netz im deutschsprachigen Raum, dazu gehören 173 Bahnhöfe. Einige davon zeigen wir in dem Kalender.

Kottbusser TorIm Januar sorgt eine dynamische Grafik vom U-Bahnhof Zoologischer Garten für einen guten Start ins neue Jahr. Im Februar folgt ein Blick auf die Wohnbebauung am Kottbusser Tor mit ihren vielen Satellitenschüsseln. Rosenthaler Platz und Ferbelliner Platz sind im März und April zu sehen.

Rosenthaler Platz, Berlin-MItte

Im Mai führt der Blick vom U-Bahnhof Alexanderplatz hinauf zum Hotelhochhaus und im Juni zeigt sich das Hansaviertel in grünem Umfeld.

Hansaplatz

Bei der Illustration der Warschauer Strasse taucht ein für s.wert design neues Element in der Grafik auf – Menschen. Die Grafik entstand bevor  das in unmittelbarer Nähe gelegene RAW Gelände durch nächtliche Überfälle und Gewalt diesen Sommer Schlagzeilen machte.

Warschauer Straße

Im September ist eine grafisch reduzierte Ansicht des U-Bahnhofs Hallesches Tor zu sehen. Die Station Deutsche Oper begleitet uns im Oktober, im November ist eine Aussenansicht der Station Bundestag zu sehen und das Jahr geht mit einer schönen Zentralperspektive der Station Eberswalder Strasse zu Ende.

Eberswalder Straße