Return of the Rucksack

Der Turnbeutel hat die bedruckte Jutetasche (mittlerweile auch als Hipster-Beutel in Verruf geraten) als ultimatives urbanes Accessoire abgelöst. Man sieht sie bei bärtigen Männern, die ihre Fixies durch Mitte schieben, bei tätowierten Mädles in Neukölln auf dem Weg zum Festival Wochenende, in der U-bahn, in den Parks und auf den Strassen. Der Eindruck, dass ein cooler Stoffbeutel in der Stadt heute ein absolutes modisches Muss ist, lässt sich nicht vermeiden.

Warum hat eigentlich der Turnbeutel den Jutebeutel abgelöst? Hängt das mit einem grösseren Gesundheitsbewusstsein zusammen? Leiden Jutebeutelträger mittlerweile unter schräger Haltung und Schulterverspannungen und haben auf den Rat ihres Physiotherapeuten zum Turnbeutel gewechselt? Oder sind es ganz einfach praktische Gründe – die Rucksäcke können schnell und sicher verschlossen werden, sie stören nicht beim Fahrradfahren und beim Gedränge in der U-Bahn?

Reflektierender Beutel von s.wert mit Oberleitungen

Reflektierender Beutel von s.wert mit Oberleitungen

Sicher ist, der Rucksack ist neben seinen praktischen Aspekten ein modischer Message-Träger. Frei nach dem Motto: „Mein Beutel hat Stil“. Die Beutel von s.wert tragen die Botschaft „from Berlin with Love“. Und das nicht plump als Text sondern subtil als stylishe Grafik. Mit wenigen eleganten Linien ist der Berliner Fernsehturm dargestellt oder die das Stadtbild prägenden Straßenbahn Oberleitungen. Der dezent gestreifte Rucksack mit den Oberleitungen weist eine weitere Besonderheit auf – einige der Linien sind reflektierend. Ein modischer und praktischer Rucksack, der eine Liebeerklärung an die Stadt ist und dazu noch mehr Sicherheit im Straßenverkehr bietet – besser geht’s ja wohl nicht.

Reflektierender Turnbeutel in schwarz von s.wert design

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Der Schwede ist kein Däne: Stockholm Furniture Fair 2011

Wie schon berichtet, haben wir zusammen mit der kunst_schule auf der Stockholmer Möbelmesse ausgestellt. Es war eine aufregende und interessante Woche.  Ich habe neue Beziehungen geknüpft und interessante Aussteller und Designs gesehen. Aber leider musste ich auch meine idealisierte Vorstellung vom Skandinavischen Design über Bord werfen.

Die Stockholmer Möbelmesse findet in drei Hallen statt. Für Ästheten ist nur eine Halle zumutbar, in den anderen zwei Hallen findet sich ein wildes Potpourri an Möbeln und Textilien, zwischen denen einige wenige Design Perlen zu finden sind. Man musste sich zuerst durch blinkende Weihnachtlichterketten durchkämpfen, vorbei an Heimorgel spielenden Blondinen, um zum Stand von Furnism zu kommen.

Bild von www.furnism.com

Die Konzepte von Furnism sind toll. Am besten gefällt mir die Reihe: “Urban Recycling”. Man könnte es auch globales Recycling nennen. Die Tische und Stühle des dänischen Designers sind aus Holz gefertigt, das von abgerissenen Holzhäusern in Shanghai stammt, die modernen Büro + Wohngebäuden weichen mussten.

Zurück zur Messe. Wenn man in der gleichen Halle dann an einigen Polstermöbelberbrechen und Prinzessinnenbetten vorbeigelaufen ist, konnte man die nächste positive Überraschung zum Thema Recycling und Design erleben. Die aus Segeln gefertigten Sitzmöbel und Taschen des dänischen Labels Trimm.

Bild von www.trimm.dk

In unmittelbarer Nachbarschaft zu den Dänen war auch schwedisches Recycling Design zu sehen. Lefotovers lieben es eher opulent und eklektizistisch – gerne auch mit Airbrush.

Recycling Chair by Lefovers